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Der Geheime Krieg (23)

Laos, insbesondere der dünn besiedelte Süden und Osten des Landes, eines der weltweit am stärksten von nicht-explodiertem Kriegsmaterial geplagten Länder der Welt ist. Zu verdanken ist dieser Umstand – wie könnte es anders sein – der hochgelobten Weltpolizei a la Vereinigte Staaten von Amerika. Mein latenter Anti-Amerikanismus sei an dieser Stelle verziehen, ebenso bitte ich um Entschuldigung an alle Historiker dieser Welt, da ich im Folgenden alle dazu (Landminen von Laos und die Rolle der USA) wichtigen Ereignisse extrem vereinfacht zusammenfassen werde.

Es geschah während des zweiten Laotischen Bürgerkrieges von 1963 bis 1973. Die raumzeitliche Nähe des Vietnamkrieges spielt eine unmittelbare Rolle. Da der Bürgerkrieg, insbesondere die US-Beteiligung, durch den Vietnamkrieg von der Weltöffentlichkeit kaum Aufmerksamkeit erlangen konnte, wird dieser Krieg auch als „Geheimer Krieg“ bezeichnet. Sämtliche kriegerische Auseinandersetzungen während dieses dritten Viertels des 20. Jahrhunderts (1950-75) in dieser Region werden daher auch als Indochinakrieg zusammengefasst. Wie auch beim Vietnamkrieg gab es beim Laotischen Bürgerkrieg eine kommunistische-kapitalistische Systemkonfrontation. Dabei stand die prokommunistische Bewegung der Pathet Lao, unterstützt von den Nordvietnamesen, der  laotische Regierung, unterstützt von Südvietnam, USA und Thailand, gegenüber. Er endete schließlich mit dem Sieg der Pathet Lao und der Gründung des sozialistischen Staates „Volksrepublik Laos“. Das Interesse der USA war hier eine Bekämpfung der Ausbreitung von kommunistischen Bewegungen – Stichwort Kalter Krieg mit der kommunistischen Sowjetunion. Daher werden sowohl der Vietnamkrieg als auch der Laotische Bürgerkrieg als Stellvertreterkrieg für den kalten Krieg bezeichnet, da es hier anders als beim kalten Krieg Waffengefechte gab. Unter anderem bekämpften die Vereinigten Staaten die Pathet Lao mit einem beispiellosen Bombardement (530.000 Fliegerangriffe von 1964 bis 73), bei denen insgesamt 2 Millionen Tonnen Sprengstoffmaterial abgeworfen wurden. Ein Drittel der rund 260 Millionen Bomben verblieben als Blindgänger auf ca. 50% der Gesamtfläche Laos‘. Noch verheerender macht dieser Umstand die Tatsache, dass es sich bei den meisten Wurfgeschossen um so genannte Clusterbomben handelte. Dabei wird ein mannsgroßer Flugkörper von einem Bomber abgeworfen, der durch eine Sprengladung auseinandergerissen wird, aus dem anschließend bis zu 900 faustgroße Granaten fallen und sich willkürlich verteilen.

Im Grunde genommen ist der Krieg daher nachwievor aktiv, da dessen Bomben noch immer Todesopfer und Schwerstverwundete fordern. Immer dann, wenn Bauern ihre Felder bestellen oder Kinder im Freien spielen und dabei auf die Zünder der Blindgänger treffen. So seien seit Ende des Krieges in den letzten 40 Jahren bereits 20.000 Menschen zu Tode gekommen, davon 8000 Kinder. Die Zahl der Schwerstverletzten mit abgetrennten Gliedmaßen, Erblindung oder anderer Verstümmelungen liegt deutlich darüber. Das Leben ist für sie sehr schwer, da im buddhistischen Glauben derartige Schicksalsschläge als Vergeltungsakt für Gräueltaten aus dem vorherigen Leben gesehen werden. Daher sind Invaliden, besonders in ländlichen, bildungsfernen Regionen gesellschaftlich geächtet.

Das Entschärfen und Aufspüren dieser Bomben ist aufgrund der Vielzahl und der unwegsamen Gelände eine kaum zu lösende Aufgabe. Sie wird dennoch in großem Stile praktiziert und von insgesamt 20 Hilfsorganisationen finanziell ermöglicht. Selbst die USA beteiligen sich seit einigen Jahren mit 9 Millionen Dollar pro Jahr, wobei die Bombardierung pro Tag allein 74 Millionen Dollar gekostet habe… Seit 1994 wurden so bereits eine halbe Million Bomben entschärft. Da jedoch insgesamt 80 Millionen Bomben im Boden schlummern, dauert es noch etwa 3000 Jahre, wenn in diesem Tempo weitergearbeitet wird.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille, so konnte sich die verarmte Landbevölkerung einen neuen Wirtschaftszweig aufbauen. Besonders das Material der Trägerbombe sei aus hochwertigem Stahl gefertigt. Ganze Dörfer leben vom Einschmelzen des Altmetalls und der Herstellung von metallischen Gebrauchsgegenständen wie Besteck, Zaunlatten oder Futtertränken. So sind die Blindgänger Teil des Wirtschaftssystems geworden und werden von vielen Laoten als Rohstoffquelle angesehen.

In Anbetracht der Gefahren, die von diesem Sprengmaterial ausgehen und der Alternativen, die der Landbevölkerung mit aktiver Entwicklungshilfe zur Verfügung haben könnten, ist diese Art des Segens doch eher als Zweifelhaft anzusehen. Für mich gehören die Vereinigten Staaten von Amerika damit eindeutig zu den größten Bedrohungen für den Weltfrieden und zumindest die militärische Politik des Landes gehört international geächtet.

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