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Tag 22: Der Flug nach Laos – alles andere als laotisch

Getreu der Abschiedsstimmung war der Himmel grau und es nieselte unaufhörlich. Unter diesen für Vietnam nicht untypischen Wetterverhältnissen wurden wir mit einem Minivan zum Flughafen gefahren. Alles war bis dato pünktlich und verlief völlig unproblematisch – laaangweilig, dachte sich das Schicksal und bewirkte sogleich, dass Maggi ihr Taschenmesser im Handgepäck vergaß. Kein geringeres als das, was ihr ihre besten Freunde Stephan und Andy schenkten, weil sie zuvor auf einer Flugreise nach Sevilla auf gleicher Weise ihr vorheriges Taschenmesser am Flughafen zurücklassen musste. Damit sie dieses nicht auch noch zurücklassen musste, bat ich das Sicherheitspersonal, mich noch einmal zum Gepäckschalter zu begleiten, damit ich dieses Messer dort aufgeben konnte. Nun, man muss schon verrückt sein, zu glauben, man könne mit Bitten die strengen Sicherheitsregeln der Luftfahrtbranche zu umgehen und das auch noch in einem kommunistischen Land – zur Rettung eines Taschenmessers. Dennoch kann gesagt werden – ICH war verrückt genug, eben solches zu versuchen.

Der erste Sicherheitsbeamte verstand keinerlei englisch und um ehrlich zu sein ich sprach im Grunde auch kein englisch J, daher verharrte er in seiner treu-kommunistischen „Nein,-das-geht-nicht!“-Pose. Schließlich habe ich bereits den Zoll passiert und bin offiziell ausgereist – mein Visum, welches nur im Voraus bei der Botschaft beantragt werden konnte, war nicht mehr gültig und der Gepäckschalter befand sich auf vietnamesischem Staatsgebiet. Es hat auch niemand die Zeit und die Lust, mich bis zum Gepäckschalter und zurück zu beaufsichtigen, und das alles nur für die Rettung eines Taschenmessers. Ich versuchte es dennoch mit einer anderen Person – einer weiblichen Beamtin. Diese gestattete es mir, gegen Herausgabe des Reisepasses als Pfand den Weg auf eigene Faust zurückzulegen. Sollte ich türmen, wüssten sie so meinen Namen und spätestens bei der späteren Ausreise hätte ich Probleme ohne Pass… Das zweite Problem ergab sich am Gepäckschalter. Ich hatte keinen Behälter für das Messer – schließlich würde das kleine Messer mit Sicherheit verloren gehen. Aber auch hier konnte ich Mitleid erregen, dass die Dame sogar aufstand und mit mir in naher Umgebung nach einem geeigneten Pappkarton zu suchen – mit Erfolg! In diesem wurdedas kleine Messer hineingetan – ordentlich mit mehreren Metern Tape regelrecht versiegelt und aufgegeben. Ich bedankte mich mehrfach, ging zurück zum Zoll, holte meinen Pass ab, bedankte mich auch hier herzlichst und konnte nun auch die Handgepäckkontrollen passieren.

Danach hatte ich noch etwas Zeit, durch die Wartehalle zu flanieren, mich darüber aufzuregen, dass Maggi unsere letzten Dongs für ein minderwertiges Burger-King-Menü ausgegeben hatte und uns von Curt, der zeitgleich einen anderen Flug nach England über Abu Dhabi hatte, zu verabschieden.

Nun, der Flug hatte tolle Lichtverhältnisse und zu bieten. Es begann mit der Durchschreitung der Regenwolken, sodass wir an dem Tag doch noch Sonne hatten, über den Überflug von Laotischen Bergketten mit Aussicht auf imposante Gewitterwolken, bis hin zur Landung in Vientiane bei Sonnenuntergang! Essen war auch ganz ok.

Beim Zoll mussten wir ganze 25 US-Dollar für ein Visum bezahlen. Es klappte mal wieder nicht, Geld mit meiner Karte vom DKB-Konto abzuholen, also mussten wir unseren Reiseleiter anpumpen. Immerhin war die Box mit dem Taschenmesser tatsächlich nicht verloren gegangen und fand sich auf dem Gepäck-Karussell wieder! Der Aufwand hatte sich also gelohnt!

Die Stadt machte einen interessanten Eindruck. Sie ist in etwa so groß wie Bielefeld, aber hier scheint wirklich alles Moderne noch nicht angekommen zu sein. In Thailand, Vietnam oder Kambodscha gab es zumindest noch einige Einkaufszentren oder Glaspalaste, die das finanzielle Zentrum des Landes wiederspiegelten. Hier jedoch gab es außer Tuktuks und Nachtmärkte und ein paar Tempel so gut wie gar nichts.

Aber das muss ja auch nicht. Ich finde es ganz gut, dass es auf der Erde noch Gegenden gibt, die einen anderen Zeitgeist wiederspiegeln, in denen alles viel gediegener und verschlafener zugeht – wer weiß, wie lange noch…

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