MB-ackpacker

Tag 19: Halongbai – Felsen wie Legosteine

Night SkylineFrüh am Morgen gegen fünfe, nach gut 14 Stunden Zugfahrt, erreichte der Nachtzug den Bahnhof von Hanoi, von wo aus es direkt mit dem Bus ins 150 Kilometer entfernte Gebiet der Halong Bucht (Bucht des untergehenden Drachen) fuhren. Das Frühstück und das Hotel war im Vergleich zum Vorgänger in Hue erheblich besser. Das Essens-Angebot war reichhaltig, das Zimmer war sauber und bot einen tollen Blick raus auf die Bucht. Normalerweise ist die Sicht in diesem Gebiet grau, diesig und regnerisch – und selbstverständlich war es auch während unseres Aufenthaltes nicht anders! 😛 Unser Hotel befand sich in der 220.000 Einwohner großen Ha-Long-Stadt. An diesem Tag stand ein Bootsausflug durch die Felsen der Halong-Bucht an. Die Anleger befanden sich ein Stück weiter Außerhalb, wodurch eine erneute halbstündige Fahrt mit dem Bus unabdingbar wurde. Trotz der Schauergeschichten über Bootsausflüge in diesem Gebiet war die Stimmung nicht getrübt – im Gegenteil, wir (12) erhielten sogar unser eigenes Boot, auf welchem locker 50 Menschen Platz gehabt hätten und erhielten erst einmal Bewirtung vom feinsten! Eine ganze Schüssel voller Schrimps, Fisch, Salat…, nur die Getränke waren extra, aber mit durchschnittlich einem Euro kein Vergleich zu Europäischen Preisen auf Ausflugsschiffen! Was die Schauergeschichten betrifft, so ist zu sagen, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Unglücken gekommen war. Die Sicherheitsstandards in Vietnam waren und sind längst nicht mit denen aus dem Westen vergleichbar. Die Boote sind sehr marode, da kaum Geld für Reparaturen oder Wartungen vorhanden ist. Das Bewusstsein scheint auch nicht dafür vorzuherrschen und wenn, dann wird nur das notögste gemacht. So starben im Februar 2011 elf Touristen aus verschiedenen Teilen der Welt sowie der vietnamesische Reiseführer, als ihr Boot sank. Es kommt vermehrt zum Kentern von Schiffen sowie zu Kollisionen, weil unglaublich viele Boote in diesem Gebiet unterwegs sind. Schließlich dürfte es keine wirklichen Regularien für die maximale Anzahl an Booten geben und wenn, würde sich sicher kaum einer daran halten. Die Menschen leben in dieser Region vom Tourismus und vom Fischfang und jeder will etwas von Kuchen abbekommen…

So kam es eben auch, dass wir 9 Leutchen ein  größeres Boot samt Crew ganz für uns alleine hatten. Wie gesagt, die Verpflegung war vom Feinsten und das Wetter war … naja, Shitwedder, wie wir Norddeutschen sagen würden, obwohl für Shitwetter war es nicht kalt und stürmisch genug, grau und regnerisch war es dafür um so mehr. Die Schönheit dieses seit 1993 im Unesco-Weltkulturerbe befindlichen Gefildes konnte dies jedoch nicht trüben. Im Gegenteil: Nahezu majestetisch wirkte es, wenn die riesigen Brocken aus Kalkstein langsam und diffus aus dem grauen Schleiher der See hervortreten bis eine riesige Wand von teilweise mehreren hundert Metern das gesamte Blickfeld für sich beansprucht. So tuckerten wir eine Weile über das seichte Wasser, den delikaten Nachgeschmack der Schrimps am Gaumen, die salzige Luft des Meeres in der Nase und die feuchte, aber warme Brise im Gesicht. Natur erleben mit allen Sinnen. Unterbrochen wird dieses Ambiente lediglich von den „Picker!-Picker!“-Rufen unseren Guides (Picture/Foto) und dem zahlreichen Posieren vor den Fotoapparaten und Handys der Reisegruppe. Aber auch das gehört dazu!

Trübes Wetter On Board! Legofelsensteine Lunch! Legga!

Kurz darauf erreichten wir unsere erste Zwischenstation. Eine begehbare Höhle. Die meisten der 1969 Felsen in der Gegens sind teilweise hohl – Kalkstein eben. Viele sind unerforscht. Auf vielen Felsen befinden sich Pflanzen, teilweise dichter Dschungel. Das Anlegemanöver der Boote war eine Attraktion für sich. Es gab einen Bereich, an denen die Boote – zur Erinnerung, es waren unheimlich viele Boote in der Gegend unterwegs und selbstverständlich wird die Höhle von niemandem ausgelassen – mit mäßiger Geschwindigkeit anlegten. Naja, „anlegten“ ist nun wirklich zu viel gesagt. Wie in alten Filmen über Christoph Kolumbus, wo beim Landgang der Mannschaft deren kleine Boote sich in den Sand des Strandes bohrten, fuhren auch die größeren Kutter den kleinen Strandabschnitt an. Viel Zeit blieb nicht, um an Land zu gehen, denn die Boote mussten schnell für die nächsten Boote Platz machen und einen größeren Steg ein kleines Stück weiter anfahren, wo sie schließlich ihre zurückkehrenden Passagiere warteten. Die Höhle an sich war nicht sonderlich spektakulär. Die Bunte Beleuchtung raubte ein wenig die Natürlichkeit – gut, Höhlen im Naturzustand sind grundsätzlich Duster, aber ich bin eine rein neutrale Beleuchtung von Höhlen gewohnt, dies hatte einen leicht kitschigen Märchencharakter, aber warum nicht. Der Inhalt der Führung bestand aus der Präsentation zahlreichen Tiergesichter, die man aus dem Konstrukt mehrerer Stalagmiten und Stalaktiten mit (zum Teil sehr) viel Phantasie erahnen konnte. Am Ende der Höhle ging es über ein kleines Dschungelpfädchen – mehr Treppenstufen und Toilettenhäuschen – zurück zur Anlegestelle. Gar nicht so leicht, aus den zig Booten das eigene wiederzufinden, vor allem, wenn man es an einer anderen Stelle verlassen hat. Aber nach kurzer Zeit wurde man auch dort fündig und so fuhren wir ein paar Kilometer weiter zu einer noch viel reizvolleren Stelle.

Hier gab es die Möglichkeit, mit einem Kanu eine Art Felsen-Innenhof zu erkunden, welche jedoch nur Malcolm und ich nutzten. Dazu machte das Boot in einer dichten Ansammlung mehrerer Felsbrocken an einer eigens für Paddeltouren angelegten Insel aus Bootstegen fest. Wir bestiegen unser 2-Mann-Kanu, der Führer voran in einem eigenen Kanu. Wir steuerten in Richtung eines der Felsen, dessen massive Wand wir nach einigen Paddelschlägen erreichten. Über eine  kleine Höhle bzw. Tunnel, der scheinbar nur bei Ebbe passierbar ist (maximal 2 m hoch, 5 m breit und 10 m lang) fuhren wir quasi durch den Fels hindurch und fanden in einem kraterartigen Innenhof wieder. Im Tunnel übersahen Malcolm und ich eine kleine Untiefe, sodass der schroffe Fels unter Wasser an der Unterseite des Kanus kratzte. Der Führer sagte freundlich, dass wir vorsichtig sein sollen, da die Kanus nur geliehen sind und wir für Schäden zahlen müssten. Beim Verlassen des „Innenhofes“ passierte dem Führer dasselbe, sodass wir zu ihm freundlich sagten, dass er vorsichtig sein solle, da die Kanus nur geliehen sind und er für Schäden zahlen müsste… J Der kraterartige Felsen-Innenhof als solches ist kaum mit Worten zu beschreiben, sicher stimmt nicht einmal die stümperhafte Bezeichnung „Innenhof“. Ich schätze den Durchmesser auf nur 100 bis 200m, die Wände gingen ebenfalls gute hundert Meter in die Höhe, so dass das Sonnenlicht nur selten das Wasser berührte. Ohnehin war der gesamte „Hof“ von Wasser bedeckt. Einen Strand oder ein Plateau oberhalb der Wasserlinie gab es nicht und wenn, dass nur aus kleinen horizontal liegenden Felsbrocken. Interessanterweise war das Wasser an kaum tiefer als 30cm, der Boden war der schlickig, das Wasser daher sehr trüb. Wir drehten eine Runde und verließen den Innenhof wieder und steuerten einen zweiten Hof in unmittelbarer Nähe an. Dieser war von seiner Konstruktion eher offener und daher heller. Nicht die kompletten 360° ragten einhundert Meter in die Höhe, ein Teil schien wie das Kollosseum in Rom eingestürzt zu sein, sodass an der Stelle sogar Bäume wuchsen und das offene Meer teilweise durch die Äste gesehen werden kann. Auch diesen Hof verließen wir über eine Höhle, konnten noch eine paar Minuten umherpaddeln, dann war die Stunde auch schon um und wir kehrten zu den anderen aufs Boot zurück. Dieses wiederum steuerte auch schon den Hafen an, da der Tages bzw. Halbtagesausflug zu Ende ging.

Wenige Regenpausen an Deck! Besuch einer der Höhlen Kleine Kanutour Superb!

Am Abend ging es noch zu einem Italiener mit unverschämten Preisen, die nicht im Einklang mit dem Geschmack des Essens standen. Es war OK, aber der überdurchschnittliche Preis ließ mehr erwarten.

 

Fotogalerien

Halongbucht

Galerie "Halong Bay" starten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.