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Der Tagesablauf in einem Rennpferdestall

Der Tagesablauf in einem Pferderennstall gliederte sich wie folgt: Ankommen (3.30h), Schuhe mit Stahlkappen (diese habe ich zumindest für mich als sehr nützlich erachtet) und Sockenschützer anziehen, das Whiteboard (Liste, welche regelmäßig mit Reihenfolge, Pflichten + Infos aktualisiert wird) checken, Utensilien (Dünggabel, Heugabel, Besen) und Müllcontainer schnappen, auf dem Weg zur Box die Führleine mitnehmen) und zur Box gehen. Pferd 1 (welches neben dem Namen in der ersten Walkerrunde steht) das Halfter anlegen, anleinen und zum Walker führen. Dabei muss ständig darauf geachtet werden, dass eine Stute niemals vor oder hinter einem Hengst steht. Es muss ein Wallcha (Neutrum) dazwischen oder es müssen 2 Boxen freigelassen werden, bevor die Stute/der Hengst in den Walker kann. Dieses morgendliche Hinführen gestaltete sich meist ganz angenehm, da die Pferde gefühlt ebenso verschlafen waren, wie man selbst. Anschließend Pferdebox ausmisten. Es gibt 2 Arten von Ausmisten: 1)gründlich, inklusive Pisse. 2) schnell, nur die Scheiße rauspicken. Morgens stand die gründliche Variante an und so kämpfte ich regelmäßig mit dem Ausmisten der Box und staunte, wie alle anderen es so schnell hinbekamen, während ich anfangs noch ca. 30 Min für eine Box brauchte. Zum Schluss hin steigerte ich mich (meinen Perfektionismus ignorierend) auf ca. 15 Min. Die Profis schaffen es oft in 10 Min. (wobei ich mich da frage, wie man in dieser Zeit tatsächlich alles Beschmutzte rausfischen und dann noch die ganzen Holzspäne umschmeißen kann…), auch wenn die anderen im Anschluss deutlich entspannter aussahen, während mir der Schweiß überall runter lief und regelmäßig dafür sorgte, dass meine Brille beschlagen war. So verbrachte ich übrigens den halben Morgen. Ca. eine halbe Std nach dem Hinführen mussten die Pferde gewechselt werden, also kam Pferd 1 raus und Pferd 2 in den Walker. Mein Pferd 1 und viele anderen der ersten Runde wurden nun geritten. Nach dem Ausmisten der Box und dem Reinigen des Wasserbehälters, den man gefüllt mit etlichen Litern Wasser erst mal zum Gulli bugsieren musste, begann man das gleiche Spiel von vorne mit einer neuen Box. Sobald diese erledigt war, begann man die Yards zu reinigen. Hier genügte aber Methode 2, da dort ein spezieller Sanduntergrund lag, der den Urin aufsaugte und somit nicht ausgemistet werden musste. In der Zwischenzeit kamen Reiter und Pferd vom Ritt (jeder Reiter hatte einen „Laufburschen“), man schnappte ich also sein Pferd und brachte es zum Sandroller (ein kleiner runder Bau, gefüllt mit Sand), in dem es die Möglichkeit hatte sich zu wälzen (stellt für Pferde eine Art Peeling dar, die meisten lieben es). Nach dem Sandbad ging es zur Duschstation und dort wurde das Pferd gründlich mit kaltem Wasser aus dem Schlauch abgeduscht, der Kopf wurde mit Schwamm aus einem warmen Wassereimer gereinigt und anschließend mit einem Tool (?) abgezogen, so dass es nicht mehr tropfnass war. Danach stand Walkerrunder Nr. 2 an, denn um zu trocknen, brauchte das Pferd natürlich wieder Bewegung. In der Zwischenzeit hatten man das nächste Pferd zu bürsten und seine sonstigen Pflichten weiterzuführen (Ausmisten, Wasser auffüllen, Heu verteilen, Fegen). Sobald das nächste Pferd geduscht und zum Walker geführt wurde, nahm man das vorherige raus, brachte es in sein ~Zuhause~ und bürstete es inklusive Mähne und Schweif noch einmal gründlicher durch (da der ganze Sand oft nicht beim Abduschen rausging). Dieses Prozedere wiederholte sich 5-7 mal, je nachdem wie viele Reiter es gab, ob evtl. welche verschlafen hatten (oder einfach nicht erschienen sind) und die restlichen Pferde dadurch auf die anderen Reiter aufgeteilte werden mussten. Zwischen dem Duschen und dem Walker erledigte man nach dem Ausmisten seiner Boxen und Yards immer alles, was noch gemacht werden musste. Am Ende einer morgendlichen Schicht, standen alle Pferd geduscht, gebürstet, gefüttert und ggf. medizinisch versorgt in ihren Boxen/Yards, mampften glücklich ihr Futter oder knabberten am Heu, der Stall sowie Walker waren gefegt und alle Müllcontainer gefüllt mit Scheiße standen aufgereiht und abholbereit am Weg. An einigen Tagen gab es noch Videoreports, bei denen bestimmte Pferde besonders gründlich gestriegelt und geschniegelt wurden und mit einem „Showhalfter“ bekleidet zum Zweck der Demonstration für die Besitzer rumgeführt wurden und vor dem Smartphone oder Tablet der Trainers (John, mein damaliger Boss) auf und ab stolzieren mussten, während John zusätzlich irgendwas in sein Gerät murmelte. An einigen seltenen Tagen (zu meiner Zeit kam es einmal vor) gab es auch einen Beach-Ausflug für einige ausgewählte Pferde, bei dem sie zum nahegelegenen Pferdestrand gefahren wurden und inklusive Reiter auf dem Rücken ca. eine halbe Stunde lang schwimmen und plantschen durften. Leider hatte ich nicht das Vergnügen dabei sein zu dürfen, aber die Fotos der Reiter, die jedes Mal anwesend sind, legen ein unterhaltsames Vergnügen nahe. Je nachdem wie viele Leute an dem Tag zur Arbeit erschienen sind, war man (selten) pünktlich um 9h fertig oder auch bis 9.30/9.45h noch mit dem Arbeiten beschäftigt. So sieht eine typische Morgenschicht aus. Die Nachmittagsschicht dagegen ist nur auf das Nötigste beschränkt und beinhaltet keine Reiteinheiten. Sie beginnt um 14h und endet meist auch zeitig um 16h. Die Pferde werden in 3 Schichten zum Walker geführt (erst die Hengste, anschließend die 2. Sektion des Stalles bestehend aus Wallachen und Stuten und zum Abschluss die Yard-Pferde). In der Zeit, die diese im Walker verbringen, werden die Boxen dieses Stallbereiches gereinigt (schnelle Methode, Scheiße rauspicken und Oberfläche ebnen), die Wasserbehälter werden aufgefüllt und das Heu wird verteilt. Zum Schluss wird alles gefegt und somit endet die Nachmittagsschicht oft pünktlich. Bei Trainern, die sehr viele Pferde besitzen, gibt es zusätzlich noch „menschliche Walker“, da die Schicht sonst zu lange dauern würde und nicht alle Pferde in den Walker passen. Bei John hat es mit den ca. 35-40 Pferden mit einem Walker und 3 Schichten gut gepasst. 

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