MB-ackpacker

Der Tag, an dem…

(na, wer erkennt den Bezug?)

Ich arbeitete seit bereits 5 Wochen dort, zwar mit kleinen Rückschlägen, mich aber im Großen und Ganzen stets verbessernd. Kurz vor mir hatte eine Schwedin angefangen dort zu arbeiten, die allerdings nach 3 Wochen aufhörte um weiterzureisen. An einem Freitag, 2,5 Wochen nach dem Abgang der ersten Schwedin, begann eine neue Schwedin dort zu arbeiten und ich begann mich zu fragen, ob John Auswahlkriterien wohl etwas mit der Haarfarbe (sowie dem Erscheinungsbild) zu tun hätten… 😉 Die neue Schwedin machte sich sehr gut, ich war sehr erstaunt, wie schnell sie das Ausmisten beherrschte. Wie sich später herausstellte, lag es vor allem daran, dass sie in Schweden auf einer Farm lebt, auf der die seit Jahren täglich 20 Pferde versorgt. Am Samstag früh, nach der Schicht, während ich mein Fahrrad schon aus dem Stall schob und gedanklich das freie Wochenende gestaltete rief John mich noch mal zurück und kam auf mich zu. Ich ahnte bereits nichts Gutes und leider sollte es sich bewahrheiten. Ich sei wohl noch nicht gut genug mit den Hengsten, bald kommen noch mehr und die Schwedin sei viel erfahrener und das mache sich deutlich. Somit wurde ich Knall auf Fall gekündigt und bekam noch eine einwöchige Notiz, was sich sogar noch als anständig herausstellen sollte. Da ich mich mittlerweile echt an den Job und vor allem die Pferde gewöhnt hatte, auch nicht so plötzlich damit gerechnet hatte, war ich tief getroffen und radelte mit feuchten Augen nach Hause, in der Hoffnung vor lauter Aufgelöstheit nicht überfahren zu werden

[wichtiger Zusatz: Sydney ist in die Radfahrer-unfreundlichste-Stadt, die ich kenne, somit wird selbst die kürzeste Fahrt zum Abenteuer]. Ich konnte nachvollziehen, dass er die Schwedin mir vorzog, auch wenn ich nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie nun meine Stelle hatte, zumal im meinem Denkschema nach wie vor eine Person fehlte. Das Wochenende war also gegessen, bestand hauptsächlich aus depressiv gestimmter Jobsuche und einer spontanen Kellnerschicht im Cafe (in dem ich bereits im Dezember 2 mal gekellnert hatte und Basti nun regelmäßig halbtags als Kitchenhand aushilft) am Sonntag früh. Am Montag kehrte ich schweren Herzens, aber dem festen Vorhaben souverän zu bleiben und dennoch weiterhin meine Pflichten zu erfüllen zurück zu Arbeit. Zu meiner großen Überraschung begann am Montag früh eine weitere Person, dort zu arbeiten. Er war ein Portugiese (kein Backpacker), der sehr gut mit dem Vorarbeiter und noch einigen andern im Stall befreundet war, regelmäßig vorbeikam und in letzter Zeit sehr häufig da war und auch mit John sprach. Da fiel der Groschen. Nicht die Schwedin wurde für mich eingestellt, sondern der Portugiese. Kurz gesagt: Vitamin B. Ich wurde also entlassen, weil der Freund eines Mitarbeiters plötzlich Lust bekam, doch wieder im Stall anzufangen (er hat schon früher im Stall gearbeitet; was sich aus meinen Beobachtungen den ganzen Morgen über jedoch nicht ableiten ließ). Die Montagsschicht verlief wie Kaugummi, es waren offensichtlich zu viele Leute da (zwei mehr als noch 3 Tage zuvor), die Arbeiten waren viel zu früh erledigt und zu meiner Enttäuschung wurde ich von der List gestrichten. Jesus klebte nun auf dem Schildchen, auf dem zuvor mein Name gestanden hatte. Somit hatte ich keine Pferde, die ich Bürsten, Duschen oder Führen konnte, es blieben einzig die Stallarbeiten. Niemand schaute mir in die Augen, die Luft war zum Schneiden dick. So schnell war ich ersetzt worden.

Ich war ein Geist. Jesus came and set me free.

Sarkastisch überlegte ich, dass ich mir diesen Spruch auf ein T-Shirt drucken, welches ich bis zum Ende der Woche beim Arbeiten tragen wollte. Nachdem dieser furchtbare Morgen vorbei war, beschloss ich, dass der nachfolgende Tag – also Dienstagfrüh – meine letzte Schicht sein sollte. Diese ganze Situation, der Abschied von den Pferden – ich hatte keine Lust, mir das eine Woche lang zu geben. Am Nachmittag erfuhr ich von Jordan (einem englischen Backpacker, zu dem ich in der ganzen Zeit einen guten Draht hatte und mit dem ich zur Abwechslung mal richtige Gespräche führen konnte, fern ab vom „Hi, how are you?“), dass die meisten verwundert waren, dass ich überhaupt wiedergekommen bin, da alle anderen Backpacker sich nicht wieder hätten blicken lassen. Vor allem da es wohl so sei, dass man, nachdem man eine Notiz bekommen hatte, diese Zeit (meistens eine Woche) bezahlt bekommt, unabhängig davon, ob man weiter arbeitet. Diese Information hatte mir gefehlt. Glücklicher als noch am Morgen schrieb ich im Anschluss an die Schicht eine Abschiedsnachricht an das Whiteboard, sammelte alle meine Sachen zusammen und beschloss, nicht wiederzukehren. Zwar konnte ich so keine Videos (wie ich es eigentlich am letzten Tag mit der GoPro geplant hatte) von meinem Alltag im Rennpferdestall mehr drehen, aber die Vorteile überwogen dieses Manko. 

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