MB-ackpacker

Nicht das gelobte Land…

In der Tat ist es schon einige Zeit, gar einige Monate her, dass wir von uns hören ließen und diesen Blog mit Inhalt füllten. Und bevor ich jetzt etliche Gründe aufzählen warum es nicht möglich war/nicht gemacht wurde, bitte ich um Geduld, gelobe Besserung und starte jetzt. Im Hier und Jetzt, heute, am Freitag den 13.02.2015. Und schließlich dem ersten Blogposte von mir, Maggi laugh Das ist doch was wert, oder?!

Wir haben ein Apartment gemietet und wohnen seit dem 5. Januar 2015 in Kingsford, Sydney. Das Apartment ist schön, neu, sauber, sehr gut gelegen an einer belebten Hauptstraße (jedoch durch den Balkon zur anderen Seite raus angenehm ruhig), beinhaltet einen großen Balkon mit tollem Ausblick vom 8. Stock, einen Waschmaschine sowie Trockner im Flur (für uns und zweit weitere Apartment in auf dieser Etage) und eine Küche zur gemeinsamen Nutzung für alle Bewohner im ersten Stock. Alles in allem ein echter Glücksgriff, in Anbetracht des Preises und der Eile, in der wir etwas nahe der Rennbahn finden mussten. Einziges Manko: Wir mussten einen 6-Monats-Mietvertrag unterschreiben und sind jetzt quasi bis zum Juli gebunden. Einziger Ausweg: Wir finden einen Nachmieter, der in unseren Vertrag einsteigt. Mag jetzt noch nicht so relevant klingen, aber es gewinnt im Verlauf zunehmend an Bedeutung.

Und jetzt beginne ich die Geschichte langsam von hinten aufzurollen…

Die Preise in Australien sind schmerzhaft hoch, so bezahlen wir hier in einer Woche die gleiche Miete, wie sie in Deutschland für einen Monat fällig wäre. Und der Verdienst ist in Relation zwar höher, aber nicht so hoch wie er in Anbetracht der Lebenserhaltungskosten angemessen wäre. Wobei es da auch wieder auf den Job und die Art (full-time, part-time, casual) der Beschäftigung ankommt… Wenn beide einen anständig bezahlten Vollzeit-Job haben, ist es sogar möglich sich etwas zurück zu legen (wenn das Wörtchen WENN nicht wär‘, dann wär‘ ich nun schon Millionär!!).

Womit wir bei meinem aktuellen Lieblingsthema wären. Nicht. Wir haben uns häufiger gefragt, ob wir es tatsächlich falsch aufgefasst haben, uns die meisten einen vom Pferd erzählt haben oder es schlicht an uns liegt. Die Antwort suchen wir noch immer. Von so ziemlich den meisten, mit denen wir gesprochen haben, die bereits in Australien waren und auch hier gearbeitet haben, wurde uns alles sehr toll, aufregend und positiv dargestellt. Ich möchte man delikat überspitzt behaupten, es hörte sich so an, als wäre Australien das ~gelobte Land~. Welches landschaftlich unheimlich viel zu bieten hat, einem durch das einfache Finden von Jobs an jeder Ecke gut das Leben und (Be-)Reisen ermöglicht und zudem mit vielen interessanten Begegnungen unterfüttert. Nun ja, bisher kann ich leider nichts davon bestätigen. Die Jobsuche hier gestaltet sich anstrengender als ein Marathonlauf. Wir haben Anfang Dezember damit angefangen und uns wirklich sehr bemüht auf jede noch so erdenkliche Aussicht gestürzt, sei es online auf diversen Plattformen oder beim „Klinkenputzen“ ansehnlich hergerichtet, mit XXL-Lächeln und perfekt ausformulierten Lebenslauf bewaffnet. Die erste Resonanz, die ich erhielt war ein Café, in dem ich um Weihnachten herum 2 Mal gekellnert habe. Beide Male immer auf Abruf und für nur wenige Stunden, völlig im Unklaren darüber, was denn mein Stundenlohn sei und wie oder wann ich bezahlt werden würde. Nach ein paar Tagen kam der erlösende Anruf und bot mir einen Job im Rennpferdestall. Nach einem Interview (Bewerbungsgespräch) am 1. Weihnachtsfeiertag  bekam ich die Zusage, so bald wie möglich beginnen zu können. Bedingt durch die Arbeitszeiten (3.30 – 9h und 14 – 16h) gestaltete sich das ‚so bald wie möglich‘ allerdings nicht so einfach. Zum Zeitpunkt des Interviews wohnten wir noch in einem Hostel am Haymarket, nahe dem HBF, allerdings zogen wir kurz nach Weihnachten in die Wohnung von Joanna & Tim , die uns diese überfreundlicher und unglaublich dankbarer Weise für eine ganze Woche zur Verfügung stellten, während sie zu Jo’s Eltern nach Sanctuary Point fuhren, um dort unter anderem Silvester mit Freunden zu feiern.

[Ein kurzer Umriss zum Verständnis: Als wir noch in Polen lebten, waren Slav und Jancia unsere direkten Nachbarn und die besten Freunde meiner Eltern. Nachdem wir nach Deutschland auswanderten, sind sie 3 Jahre später mitsamt beider Kinder (Joanna & Luke) nach Australien ausgewandert, nachdem sie uns zuvor noch in Deutschland besucht haben. Seitdem haben unsere beiden Familien regelmäßigen telefonischen und seltener auch persönlichen Kontakt. Die Kinder (beide etwas älter als ich) haben mittlerweile schon eigene Familien. Jo und Tim haben eine bezaubernde kleine Tochter (Izabela, 1,5 Jahre alt), ebenso wie Luke und Mythili (Lavania, nicht mal 3 Monate alt). Beide wohnen in Sydney, was bei den hiesigen Entfernungen immerhin noch mindestens eine Autostunde voneinander entfernt liegt. Die Eltern Slav und Jancia wohnen „auf dem Land“ in Sanctuary Point, einer traumhaft idyllischen Gegend, ca. 2 Autostunden von Jo und 3 Autostunden vom Zentrum Sydneys entfernt. Nach unserer Ankunft in Australien durften wir eine Woche bei ihnen wohnen. Definitiv einen eigenen Post wert, inklusive Bildern von unserer ersten Begegnung mit einem Wallaby am Strand und Delfinen direkt nebenan im Wasser. Post folgt bestimmt.]

Da wir also bald nach Engadine zogen, von wo aus man 45 Min mit dem Zug zum Central (Hbf) fährt (zum Vergleich: eine Strecke von Bielefeld nach Hamm/Hamm nach Essen) und es keine Züge gab, die auch nachts fuhren, war es mir unmöglich, diesen Job zu starten, während ich dort wohnte. Daher bemühte ich mich um eine Wohnung in der Nähe des Stalls und wurde mit unserer, nur 2 Tage nach Suchbeginn, fündig. Somit konnten wir im neuen Jahr in unser neues Apartment ziehen, welches ca. 1,5 km von meinem zukünftigen Arbeitsplatz entfernt lag. Das Aufstehen um 2 Uhr morgens, viel eher mitten in der Nacht, gestaltet sich anfangs sehr unangenehm. Da ich eher Typ Nachteule bin ich meistens erst gegen Mitternacht, häufig noch später zu Bett gehen pflegte, clashte diese Zeit doch arg mit meinem Schlafgewohnheiten. Zu meiner großen Überraschung pendelte sich dieser Rhythmus jedoch nach und nach so ein, dass ich bereits nach ca. einem Monat nicht mehr so große Schwierigkeiten mit dem Aufstehen um 2.30h hatte (da ich mir recht bald ein Fahrrad zugelegt habe, begrenzte sich der Arbeitsweg auf 10 Min am Morgen und ca. 15 Min am Nachmittag, zur Rush Hour). Und selbst jetzt, da ich nicht mehr so früh aufstehen muss (darf?) und überhaupt nicht früh aufstehen muss, tue ich es dennoch immer zwischen 6 und 7, um den mühsam herbeigeführten Rhythmus nicht zu verlieren. Aber nicht zu eilig vorweg. Zurück zum Job. Aufgrund eben dieser Zeit und der für mich sehr ungewohnten harten körperlichen Arbeit (Pferdeboxen ausmisten, Pferde putzen, duschen und führen), habe ich den Job anfangs eher verflucht, als genossen. Einzig die (coolen) Pferde haben mir den Halt gegeben, alles durchzuziehen und bis zum Schluss weder zu verschlafen, noch zu spät zu kommen. Ein sehr netter Nebeneffekt war, dass mein Körper sich recht schnell in einer muskulöseren und schlankeren Edition seiner selbst verwandelte.

Leider musste ich bei dieser Tätigkeit auch feststellen, dass es auch Arschloch-Pferde gibt und dass Rennpferde generell so überhaupt nicht mit dem zu vergleichen sind, was ich bisher kannte. Und ich hatte bei weitem nicht selten Kontakt zum Pferd, ob im verschiedenen Reitvereinen oder auf diversen Reithöfen, die mich seit meiner Kindheit in unregelmäßigen Abständen begleiteten. Diese RENN-Pferde jedenfalls waren so völlig anders.

Tageauflauf als Stallgehilfe in einem Rennpfedestall

Vielleicht liegt es auch zum Teil am „Lebensstil der Pferde“. Denn sie leben in einer Box oder – wenn sie sich glücklich schätzen durften – in einem Außenyard (ca. 2-3 mal so groß, weniger bebaut und somit freier). Da es in Sydney nicht annähernd so viel Auslaufmöglichkeit wie Pferde gibt, besteht ihre einzige Bewegung im täglichen Gerittenwerden sowie dem 2-3 mal täglichen Rundgang im Walker (eine Apparatur, die sich im Kreis drehende Boxen innehat, in denen die Pferde dementsprechend ihre Runden drehen mussten). Somit kann kein Pferd, das sich zu Ausbildungs-, Schulungs- oder Verbesserungswecken bei einem Trainer befindet, einfach sein Pferd-Sein genießen, fröhlich über die Koppel laufen und mit anderen Pferden interagieren. Das ist bestimmt mit ein Grund, warum einige Pferde so unausgeglichen sind. Abgesehen davon, dass sie Rennpferde sind und somit einigen sehr temperamentvollen Rassen angehören. Ich arbeitete also in 2 Schichten, 6 Tage die Woche, jedes zweite Wochenende. Hatte jede Woche einen freien Nachmittag und alle 13 Tage den Samstagnachmittag und den ganzen Sonntag frei. Ärgerlich war es, wenn Basti an meinem seltenen freien Wochenende arbeiten musste, da er meist erst nach Hause kam, wenn ich schon schlief oder zumindest im Einschlafprozess war, hatten wir wenig Möglichkeit etwas zusammen zu unternehmen. Immerhin schafften wir es zwischen meinen Schichten zweimal zum Strand (Coogee).

Falls noch nicht im Bilde, siehe Blogpost Der Tag an dem…

Somit bin ich seit Dienstag (mittlerweile 4 Tagen) wieder Joblos. Das Bewerben hängt mir schon Maximal zu Hals hinaus und überhaupt sind wir langsam der Ansicht, dass wir wohl in Sydney nicht glücklich werden (6 Monats-Mietvertrag :-/  ). Es ist so unglaublich deprimierend, arbeiten zu wollen, bereit zu sein, alles in Kauf zu nehmen und einfach keine Resonanz zu bekommen. Es ist der 4. Tag, ich langweile mich zu Tode, kann keine Jobsangebote mehr sehen und frage mich, was ich wohl falsch mache… wo überhaupt der Sinn in dem Ganzen liegt. Es ist ironisch, denn ich Deutschland könnte ich mit viel „wertvolleren“ Tätigkeiten viel mehr Geld verdienen, anstatt mich hier ins Minus zu wirtschaften. So, das ist also das gelobte Land, von dem alle schwärmen. Ich kann nur hoffen, dass es außerhalb von Sydney besser wird.

Bis bald, mit hoffentlich positiven Neuigkeiten…

2 Kommentare zu “Nicht das gelobte Land…

  1. Jenny

    Fühl dich gedrückt. Wie geht der Spruch ?Hinfallen,aufstehen,Krone richten,weitermachen. In diesem Sinne Arschbacken zusammen kneifen

    1. Maggi Autor des Beitrags

      Das ist süß, danke! Dann werde ich mein Krönchen mal ordentlich entstauben und erhobenen Hauptes voranschreiten 🙂 .
      Ganz liebe Grüße an euch 3!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.